{"id":79,"date":"2023-06-02T10:41:47","date_gmt":"2023-06-02T08:41:47","guid":{"rendered":"https:\/\/localhost\/wp-Seniorencartell\/?p=79"},"modified":"2024-04-16T17:09:01","modified_gmt":"2024-04-16T15:09:01","slug":"korporationen-allgemein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/?p=79","title":{"rendered":"Korporationen allgemein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 10pt;\"><a title=\"Ziele des MSC\" href=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/?p=85\" hreflang=\"undefined\"><span style=\"font-size: 18pt;\">Ziele des MSC<\/span><\/a><span style=\"font-size: 18pt;\"> |<a href=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/?p=76\" rel=\"noopener\" hreflang=\"undefined\">Geschichte des MSC<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/?p=79\">Korporationen allgemein<\/a> |<a title=\"Veranstaltungen\" href=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/?p=82\"> Veranstaltungen<\/a> |<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der folgende Text gibt eine detaillierte \u00dcbersicht \u00fcber die historische Entwicklung des Verbindungswesens in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum. F\u00fcr generelle Informationen zum Thema Studentenverbindungen empfehlen wir als Einleitung folgenden link.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Studentenverbindung\">Geschichte der Studentenverbindungen<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>1. Vorgeschichte<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0Die Geschichte der Studentenverbindungen ist eng verkn\u00fcpft mit der Geschichte der Universit\u00e4ten. Der Artikel beschreibt die Geschichte der Verbindungen seit den fr\u00fchen Anf\u00e4ngen an den mittelalterlichen Universit\u00e4ten, konzentriert sich aber auf die Geschichte der heutigen Formen der Studentenkorporationen. Mit den ersten Universit\u00e4ten entstanden auch Zusammenschl\u00fcsse von Studenten. Diese entwickelten bestimmte Formen, die als fr\u00fche Vorl\u00e4ufer heutiger Verbindungstraditionen anzusehen sind. Erst vor diesem Hintergrund kann man die heutigen Studentenverbindungen verstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>1.1. Nationes<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-270 size-full\" src=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/nationes_wappenschilder-1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"232\" \/>\u00a0 Im Mittelalter gliederte man die Gesamtheit (universitas) der Professoren und Studenten einer Hochschule nach Gebieten ihrer Herkunft: z.B. an den fr\u00fchen\u00a0 Universit\u00e4ten in Ravenna, Bologna und Padua, aber auch in Paris.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Diese Zusammenschl\u00fcsse wurden nationes genannt, hatten aber weder mit den sp\u00e4teren Nationalstaaten noch einer nationalen Haltung zu tun. Sie dienten wie Gilden dem Schutz ihrer Mitglieder und waren wiederum in Korporationen unterteilt. So genossen die &#8222;deutschen&#8220; Studenten in Orleans den Schutz des deutschen K\u00f6nigs und durften mit dem Degen bewaffnet sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Anfangs richtete sich ihre territoriale Einordnung nur nach den vier Himmelsrichtungen. So geh\u00f6rten die Nord- und Osteurop\u00e4er an der Universit\u00e4t Paris zur &#8222;englischen&#8220; Nation. Dazu gab es die normannische, pikardische und gallische Nation. An der Universit\u00e4t Prag, der ersten Universit\u00e4t im Heiligen R\u00f6mischen Reich, gab es die b\u00f6hmische &#8222;Landsmannschaft&#8220; f\u00fcr Deutsche und Tschechen, daneben eine bayerische, polnische und s\u00e4chsische Abteilung. Die Mitglieder der Universit\u00e4t schlossen sich der &#8222;Nation&#8220; an, die ihrer Herkunft am ehesten entsprach (Details siehe Landsmannschaft (Studentenverbindung)).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">1.2. Bursen<\/span><\/strong><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die fr\u00fchen Universit\u00e4ten hatten Wohnungen f\u00fcr Magister (Lehrer) und Scholaren (Sch\u00fcler). In diesen hospicia oder Collegien wurden auch die Vorlesungen gehalten. Daraus entwickelten sich Wohn-, Ess- und Lehrgemeinschaften unter der Leitung eines Magisters. Diese Bursen hatten eine gemeinsame Kasse (lateinisch bursa), aus der der gemeinsame Lebensunterhalt bestritten wurde. Zu Anfangs waren die Bursen nur f\u00fcr arme Studenten gedacht, denen ein Stipendium (Bursen genannt) gew\u00e4hrt wurde, sp\u00e4ter durften die Collegien auch Studenten aufnehmen, die ihre Burse selbst bezahlten.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Neue Bursenmitglieder mussten sich einer rituellen Deposition unterziehen: W\u00e4hrend dieser Aufnahmefrist durfte man sie misshandeln, sie mussten ein Eintrittsgeld an die Burse zahlen oder die \u00e4lteren Semester eine Weile aushalten. Die Kleidung der in der Burse wohnenden Studenten (collegiati, bursati oder bursarii genannt, hieraus entwickelte sich der heutige Begriff des Burschen) war genau nach Farbe, Stoff und Schnitt vorgeschrieben, hieraus entwickelte sich das heutige Couleur.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">1.3. Die alten Landsmannschaften<\/span><\/strong>\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Im 15. und 16. Jahrhundert gerieten die Universit\u00e4ten immer mehr unter den Einfluss, die Finanzierung und Kontrolle der Landesf\u00fcrsten. Nun bildeten sich vermehrt private Studentenzirkel, die nur der gemeinsamen Geselligkeit und der Unterst\u00fctzung in Notzeiten dienten. Sie waren ebenfalls landsmannschaftlich organisiert, aber kein Teil der Universit\u00e4t mehr. Die Studenten kn\u00fcpften an bestehende Traditionen an und nannten ihre Zusammenschl\u00fcsse auch &#8222;Nationen&#8220; oder &#8222;Landsmannschaften&#8220; und ihre Mitglieder &#8222;Burschen&#8220; (abgeleitet von &#8222;Burse&#8220;). Die Deposition wurde auf einen formalen Aufnahmeakt bei der Immatrikulation reduziert. Einige Quellen schildern, dass zu dieser Zeit zum ersten Mal der Begriff (Schul-)&#8220;Fuchs&#8220; als Bezeichnung f\u00fcr ehemalige Gymnasiasten auftaucht, die neu an die Universit\u00e4t kamen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Im 17. Jahrhundert wurde daraus der &#8222;Pennalismus&#8220;: Die Studienanf\u00e4nger (&#8222;Penn\u00e4ler&#8220;) wurden nun oft ein Jahr lang augebeutet und mussten die \u00e4lteren Semester bedienen. Die Universit\u00e4ten bek\u00e4mpften diesen Brauch und die Landsmannschaften mehr oder weniger energisch. Dennoch konnten sie sich bis ins 18. Jahrhundert hinein halten.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Gegen Ende des Jahrhunderts verloren die Landsmannschaften zunehmend an Bedeutung, teilweise konstituierten sie sich nur noch zu besonderen Anl\u00e4ssen wie Universit\u00e4tsfeiern, an denen die Studenten dann in landsmannschaftlichen Gruppen mit bunten Fahnen und Kleidern teilnahmen. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Landsmannschaft endete mit dem Studienabschluss. Einen Lebensbund gab es noch nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">1.4. Studentenorden<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_579\" aria-describedby=\"caption-attachment-579\" style=\"width: 111px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-579\" src=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/220px-Amicistenkreuz.jpg\" alt=\"\" width=\"111\" height=\"113\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-579\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 12pt; color: #000000;\">Amicistenkreuz<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Innerhalb der an Bedeutung verlierenden Landsmannschaften des 18. Jahrhunderts entwickelten sich engere Formen von studentischen Zusammenschl\u00fcssen. Die wichtigsten waren zun\u00e4chst die Studentenorden, die sich nach dem Vorbild der Freimaurerlogen, aber auch der literarisch-philosophischen Orden des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten (siehe auch: Pegnesischer Blumenorden, Palmenorden). Von ihnen stammen das strenge interne Reglement, die Constitution, das f\u00f6rmliche Aufnahme-Versprechen und viele, teils geheime Identit\u00e4tssymbole wie Zirkel, Bundeszeichen usw., die bis heute in Gebrauch sind. Die Studentenorden, waren der erste Verbindungstypus, bei dem die Mitgliedschaft nicht mit dem Examen endete; das Lebensbund-Prinzip entstand. Die vier wichtigsten Orden waren die Amicisten, Constantisten, Unitisten und Harmonisten.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Obwohl sie unpolitisch waren, wurden die Orden von der jeweiligen Obrigkeit misstrauisch beobachtet. Im Absolutismus galt jeder Zusammenschluss von Menschen als potentiell gef\u00e4hrlich und sch\u00e4dlich f\u00fcr das Staatsinteresse. Hinzu kamen die h\u00e4ufigen K\u00e4mpfe, die Einzelstudenten oder Studentengruppen gegeneinander austrugen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">1793 verbot ein Abschied des Immerw\u00e4hrenden Reichstags in Regensburg alle Studentenorden im ganzen Heiligen R\u00f6mischen Reich. Damit war diese Organisationsform praktisch am Ende.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>2. Geschichte der heutigen Verbindungen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Studentenverbindungen im heutigen Sinne entwickelten sich an deutschsprachigen Universit\u00e4ten seit etwa 1800. Sie \u00fcbernahmen einzelne Elemente der \u00e4lteren Formen studentischer Zusammenschl\u00fcsse und entwickelten sie weiter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>2.1. Entstehung der fr\u00fchen Corps<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Nach dem Verbot der Studentenorden bildeten sich neue Formen, sogenannte Corps. Sie trugen noch ganz verschiedene Namen wie &#8222;Landsmannschaft&#8220;, &#8222;Gesellschaft&#8220;, &#8222;Kr\u00e4nzchen&#8220;, &#8222;Club&#8220; usw.. Sie verbanden \u00e4u\u00dfere Elemente der Orden &#8211; straffes Reglement, verbindliche Zusammengeh\u00f6rigkeit, geheime Identit\u00e4tsymbole &#8211; mit denen der alten Landsmannschaften &#8211; lateinische Landesnamen, farblich einheitliche Kleidung (Vorl\u00e4ufer der Couleurs) und schufen so die ersten Verbindungen heutigen Typs.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Neu an ihnen war, dass sie sich an jeder einzelnen Universit\u00e4t zu Senioren-Conventen (SC) zusammenschlossen und ein studentisches Gesetzeswerk erstellten, das f\u00fcr alle Studenten der Universit\u00e4t verbindlich war: den SC-Comment. Der Grund waren die damals \u00fcblichen rauen Sitten und Gebr\u00e4uche, die nach damaliger Auffassung nur durch \u201egeschriebene Gesetze&#8220; einged\u00e4mmt werden konnten. Analog dazu wurde seit der Franz\u00f6sischen Revolution und der napoleonischen Besatzung von den Herrschern die schriftliche Fixierung von B\u00fcrgerrechten zur Eind\u00e4mmung der Herrscherwillk\u00fcr verlangt (Codici).<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Das Streben nach Verbindlichkeit und demokratischen Strukturen mit dem Anspruch auf positive Beeinflussung des Studentenlebens und der Landesentwicklung legte den Grundstein f\u00fcr die Entwicklung der f\u00fcr den deutschen Sprachraum typischen Studentenverbindungen. Damals waren die deutschen L\u00e4nder noch weit davon entfernt, ihren B\u00fcrgern Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit einzur\u00e4umen. Daher waren die selbstverwalteten studentischen Zusammenschl\u00fcsse bis 1848 verboten. Das Verbot wurde jedoch nicht \u00fcberall gleich streng kontrolliert und geahndet (Details siehe Corps, Baltische Studentenverbindung).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-237 \" src=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/hoffmann_von_fallersleben_by_schumacher_1819-1-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"136\" height=\"178\" srcset=\"https:\/\/www.seniorencartell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/hoffmann_von_fallersleben_by_schumacher_1819-1-229x300.jpg 229w, https:\/\/www.seniorencartell.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/hoffmann_von_fallersleben_by_schumacher_1819-1.jpg 468w\" sizes=\"auto, (max-width: 136px) 100vw, 136px\" \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Hoffmann von Fallersleben in der<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"> sogenannten &#8222;altdeutschen Tracht&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"> eines Burschenschafters.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.2. Die Urburschenschaft<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Innerhalb der fr\u00fchen Corps regten sich bald Bestrebungen, die landsmannschaftliche Gliederung der Studenten an den Universit\u00e4ten abzuschaffen und alle Studenten (\u201eBurschen&#8220;) in einer einheitlichen &#8222;Burschenschaft&#8220; zusammenzuf\u00fchren. Auch in der Politik sollte die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abgeschafft werden. Protagonisten dieser Ideen waren zum Beispiel \u201eTurnvater&#8220; Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte und Jakob Friedrich Fries.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Schon kurz nach den Befreiungskriegen gr\u00fcndete sich am 1. November 1814 in Halle (Saale) eine Teutonia, die noch stark in den landsmannschaftlichen Traditionen der fr\u00fchen Corps verwurzelt war. Sie verwendete zwar noch nicht die Bezeichnung &#8222;Burschenschaft&#8220;, verfolgte aber schon \u00e4hnliche Ziele und stellte sich bereits gegen den Senioren-Convent (SC) der Corps. Aus ihr entwickelte sich in den kommenden Jahren die &#8222;teutonische Bewegung&#8220;, die zur Gr\u00fcndung \u00e4hnlicher Zusammenschl\u00fcsse an anderen deutschen Universit\u00e4ten f\u00fchrte. Diese Verbindungen wandelten sich aber im Laufe der Zeit wieder in Corps um und traten dem jeweiligen SC bei.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In Jena hatten im August 1814 die zur\u00fcckgekehrten Freiwilligen der Befreiungskriege eine \u201eWehrschaft&#8220; gebildet, die sich im Gebrauch der Waffen \u00fcbte. Ihre Angeh\u00f6rige waren Mitglieder der verschiedensten ortsans\u00e4ssigen Corps, die sich damals teilweise noch &#8222;Landsmannschaft&#8220; nannten. Die treibende Kraft f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer allgemeinen Verbindung, einer &#8222;Burschenschaft&#8220;, war die &#8222;Landsmannschaft&#8220; Vandalia. Nach teils heftigen Auseinandersetzungen mit den anderen &#8222;Landsmannschaften&#8220; beschlo\u00df der Senioren-Convent am 29. Mai 1815 seine Aufl\u00f6sung und am 12. Juni gingen schlie\u00dflich alle in Jena bestehenden &#8222;Landsmannschaften&#8220; in der ersten Burschenschaft &#8211; der Urburschenschaft &#8211; auf. Der burschenschaftliche Gedanke griff dann von Jena ausgehend schnell um sich.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Bewegung breitete sich bald im gesamten deutschen Raum aus und stellte sich in Gegensatz zu den fr\u00fchen Corps und ihren SCs, die bis dahin die Gesamtvertretung f\u00fcr die Studenten einer Universit\u00e4t beanspruchten. Bei einem Treffen von etwa 500 Studenten auf der Wartburg am 18. Oktober 1817 (dem Jahrestag der Reformation und V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig) gr\u00fcndete sich die Allgemeine Deutsche Burschenschaft, die ein deutschlandweiter, burschenschaftlicher Zusammenschluss aller Studenten sein sollte. W\u00e4hrend der Zusammenkunft kam es auch zu einer urspr\u00fcnglich nicht geplanten Verbrennung von symbolbeladenen Gegenst\u00e4nden und von B\u00fcchern durch eine Gruppe besonders radikaler Studenten. Verbrannt wurden zum Beispiel ein Per\u00fcckenzopf als Symbol der alten Feudalherrschaft und ein Korporalsstab als Symbol unkontrollierter staatlicher Gewalt. Vernichtet wurden aber auch B\u00fccher, die als \u201ereaktion\u00e4r&#8220;, \u201eantinational&#8220; oder \u201eundeutsch&#8220; eingestuft wurden (unter anderem Werke von August von Kotzebue, Karl Leberecht Immermann, die &#8222;Germanomanie&#8220; des j\u00fcdischen Schriftstellers Saul Ascher, sowie der Code Napol\u00e9on). Heinrich Heine kommentierte das mit dem bekannt gewordenen Satz: &#8222;Dort, wo man B\u00fccher verbrennt, verbrennt man am Ende gar auch Menschen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Bei den Wartburgfesten 1818 und 1819 waren jeweils etwa 3.000 Burschen anwesend, was in etwa ein Drittel der gesamten Studentenschaft des Deutschen Bundes war. Der deutschlandweite Zusammenschluss aller Burschenschafter gelang aber nicht, auch die Urburschenschaft in Jena zersplitterte in verschiedene Str\u00f6mungen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Anl\u00e4sslich der Aufl\u00f6sung der Jenaer Burschenschaft dichtete Daniel August von Binzer 1819 ein Lied, nach seiner ersten Strophe \u201eWir hatten gebauet ein stattliches Haus&#8220; genannt. In der 7. Strophe hei\u00dft es:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em>Das Band ist zerschnitten,<br \/>\nwar Schwarz, Rot und Gold,<br \/>\nund Gott hat es gelitten,<br \/>\nwer wei\u00df was er gewollt!<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Hier wurde der Dreiklang Schwarz-Rot-Gold erstmals erw\u00e4hnt, der dann zum Symbol der Burschenschafts- und Demokratiebewegung in Deutschland wurde.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Ein weiteres Symbol der neuen nationalen Bewegung war eine besondere Form der Kleider- und Haartracht, die bereits w\u00e4hrend der Befreiungskriege aufgekommen war und altdeutsche Tracht genannt wurde, obwohl es keine historischen Vorbilder gab. Diese Tracht sollte einen Gegenpol zu &#8222;franz\u00f6sischen Modetorheiten&#8220; bilden und bestand aus einem langen geschlossenen Rock mit oben weit ge\u00f6ffnetem Hemdkragen, sehr weit geschnittenen Hosen und einem gro\u00dfen, samtenen Barett. Als unverzichtbar galten lange, ungepflegte Haare und ein wilder Bartwuchs. Diese Tracht galt als so provokativ und aufr\u00fchrerisch, dass sie von den Beh\u00f6rden teilweise verboten wurde.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Burschenschaften waren von Anfang an politische Organisationen mit politischen Forderungen: vor allem nach demokratischen Reformen und Deutschlands Einigung. Die Corps dagegen verstanden sich als Zusammenschl\u00fcsse zur gemeinsamen Regelung des studentischen Lebens.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Obrigkeit nahm auf diese Gegens\u00e4tze keine R\u00fccksicht: Nach den Hep-Hep-Krawallen 1819 &#8211; Hassausbr\u00fcchen, die sich gegen j\u00fcdische B\u00fcrger in vielen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten wandten &#8211; und einem politischen Mord eines Burschenschafters verbot der Deutsche Bund alle selbstverwalteten studentischen Zusammenschl\u00fcsse. Diese Karlsbader Beschl\u00fcsse galten bis 1848. Sie wurden verschieden streng gehandhabt, f\u00fchrten aber zu Gef\u00e4ngnisstrafen, Berufsverboten und Ausweisung f\u00fcr einige Burschenschafter.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die regelm\u00e4\u00dfigen Verfolgungen seitens der Beh\u00f6rden machten immer wieder Schlie\u00dfungen und Wiedergr\u00fcndungen erforderlich. Doch das hinderte weder die Corps noch die Burschenschaften an ihrer Ausbreitung und Weiterentwicklung. Dabei stellte sich heraus, das die Vereinheitlichung aller Studenten in einer einzigen Burschenschaft praktisch nicht durchsetzbar war. Die Zusammenf\u00fchrung gelang nicht, da die Corps weiterexistierten und sich teilweise mehrere Burschenschaften pro Universit\u00e4t bildeten. Der Grund daf\u00fcr waren unter anderem Richtungs- und Machtk\u00e4mpfe innerhalb der Bewegung, z.B. zwischen der &#8222;Arminia&#8220; und der &#8222;Germania&#8220;.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Mit der Zeit lie\u00dfen die Burschenschaften einige Reformforderungen bez\u00fcglich der studentischen Kultur fallen und passten sich teilweise der \u00e4lteren Corpstradition an.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>2.3.\u00a0 Das Hambacher Fest<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Nation, Demokratie und Christentum waren die drei Pfeiler, auf die die fr\u00fche Burschenschaft gegr\u00fcndet worden war. Seit 1815 war sie die Avantgarde der deutschen Nationalbewegung. Die Burschenschaft wurzelte in den Freiheitskriegen, stand unter dem Einflu\u00df von Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt und Johann Gottlieb Fichte, war gepr\u00e4gt durch eine idealistische Volkstumslehre, christliche Erweckung und patriotische Freiheitsliebe. Diese antinapoleonische Nationalbewegung deutscher Studenten war politische Jugendbewegung &#8211; die erste in Europa &#8211; und die erste nationale Organisation des deutschen B\u00fcrgertums \u00fcberhaupt, die 1817 mit dem Wartburgfest die erste gesamtdeutsche Feier ausrichtete und mit rund dreitausend Mitgliedern 1818\/19 etwa ein Drittel der Studentenschaft des Deutschen Bundes umfa\u00dfte.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die zur nationalen Militanz neigende Burschenschaft, zu einem Gutteil hervorgegangen aus dem L\u00fctzowschen Freikorps, setzte ihr nationales Engagement in neue soziale Lebensformen um, die das Studentenleben von Grund auf reformierten. Aber nicht nur das: Die Studenten begriffen die Freiheitskriege gegen Napoleon als einen Zusammenhang von innerer Reform, innenpolitischem Freiheitsprogramm und Sieg \u00fcber die Fremdherrschaft. Nationale Einheit und Freiheit wurden propagiert, Mannhaftigkeit und Kampfbereitschaft f\u00fcr das deutsche Vaterland.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Dem Wartburgfest, der Gr\u00fcndung der Allgemeinen deutschen Burschenschaft und der Ermordung August von Kotzebues durch den Jenaer Burschenschafter Karl Ludwig Sand folgten die Karlsbader Beschl\u00fcsse und die Unterdr\u00fcckung der Burschenschaft. Sie wurde zu einer sich mehr und mehr radikalisierenden Bewegung an den deutschen Hochschulen, die bald mehr, bald weniger offiziell bestand. War in der Urburschenschaft neben der Sicherung des Volkstums nach au\u00dfen die \u201eErziehung zum christlichen Studenten&#8220; f\u00fcr den Innenbereich bestimmend gewesen und der Zusammenhang von Wartburg, Luther und Reformation 1817 mehr als deutlich geworden, so lie\u00df der Frankfurter Burschentag 1831 die Forderung nach \u201echristlich-deutscher Ausbildung&#8220; zu Gunsten einer zunehmenden Politisierung endg\u00fcltig fallen. Der Stuttgarter Burschentag fa\u00dfte im Dezember 1832 einen Beschlu\u00df zur Tolerierung und F\u00f6rderung revolution\u00e4rer Gewalt zum Zweck der \u00dcberwindung der inneren Zersplitterung Deutschlands. Das m\u00fcndete in die Beteiligung am Hambacher Fest und am Pre\u00df- und Vaterlandsverein sowie in den Frankfurter Wachensturm vom April 1833, an dem vor allem Heidelberger und W\u00fcrzburger Burschenschafter beteiligt waren, und l\u00f6ste eine neue Welle der Verfolgungen durch die eigens eingerichtete Bundeszentralbeh\u00f6rde in Frankfurt a. M. bis in die vierziger Jahre hinein aus, die der \u00e4lteren burschenschaftlichen Bewegung das R\u00fcckgrat brach und den (Wieder-)Aufstieg anderer Korporationsformen an den Hochschulen erm\u00f6glichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<strong>Warum Hambach?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Hambach war auch eine Apotheose der Burschenschaft, vor allem der Heidelberger, die sich vorrangig aus der Pfalz rekrutierte. Aber warum ausgerechnet Hambach? Die ehemalige Kurpfalz, regiert von Wittelsbachern, war seit Mitte der 1790er Jahre teilweise von franz\u00f6sischen Truppen besetzt und fiel 1797 an die franz\u00f6sische Republik. Die neue Obrigkeit war beeinflu\u00dft von den Idealen der Revolution von 1789, von \u201eLibert\u00e9, Egalit\u00e9, Fraternit\u00e9!&#8220;, etablierte eine moderne Justiz, Verwaltung und Gesetzgebung, Schwurgerichte und Gewerbefreiheit, beseitigte die St\u00e4ndeordnung, trennte Kirche und Staat und gew\u00e4hrte einige Freiheitsrechte. Die Aushebungen f\u00fcr die napoleonische Armee waren zwar wenig beliebt aber schnell vergessen, als der Wiener Kongre\u00df die Pfalz 1815 dem K\u00f6nigreich Bayern zuschlug. Das franz\u00f6sische Verwaltungs- und Justizsystem blieb bestehen, die Regierung beschnitt aber mehr und mehr die b\u00fcrgerlichen Rechte und Freiheiten. Sehr hohe Steuern und ein dr\u00fcckendes Zollsystem, das vor allem den Weinbau belastete, begleitet von Mi\u00dfernten und Hunger, zogen wirtschaftliche Not und politische Unzufriedenheit nach sich. Dies zumal, wenn man sich der Zeit der franz\u00f6sischen Herrschaft erinnerte. In der Pfalz hatte man schon einmal Trikoloren gehi\u00dft und Freiheitsb\u00e4ume aufgepflanzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Julirevolution 1830 in Paris gab allen Unzufriedenen Auftrieb, was \u201edie G\u00e4rung bis zum kochenden Sud steigerte&#8220;, wie der ehemalige Bonner und G\u00f6ttinger Burschenschafter Heinrich Heine schrieb. Zugleich erhoben sich die Polen erfolglos gegen die russische Herrschaft, was eine Welle der Polenbegeisterung ausl\u00f6ste und als Erbe die studentische Pekesche hinterlie\u00df. Dabei wurde \u00fcbersehen, da\u00df nur die Oberschicht den Kampf aufnahm und polnische Freiheit vor allem im Sinne der alten Adelsrepublik interpretierte. Um die sechstausend Polen gingen nach dem gescheiterten Aufstand ins Exil, in Deutschland vielfach durch eigens gegr\u00fcndete Polenvereine unterst\u00fctzt, in denen zahlreiche Burschenschafter mitwirkten. Die Regierungen reagierten repressiv und suchten die freiheitlichen Bestrebungen zu unterbinden. Dazu geh\u00f6rte in Bayern und der Pfalz in erster Linie die Beschneidung der Pressefreiheit, die Durchsetzung von Zensur und Druckverboten. Liberale B\u00fcrger gr\u00fcndeten deshalb 1832 den \u201eDeutschen Pre\u00df- und Vaterlandsverein&#8220;, der nicht nur als Unterst\u00fctzung einer freien Presse konzipiert war, \u201esondern als Kristallisationskern f\u00fcr eine politische Umgestaltung Deutschlands&#8220;. Er war der erste Vorl\u00e4ufer politischer Parteien, z\u00e4hlte in k\u00fcrzester Zeit \u00fcber f\u00fcnftausend Mitglieder bis nach Mitteldeutschland und wurde ma\u00dfgeblich von Burschenschaftern beeinflu\u00dft, so etwa Rudolf Lohbauer (1802-1873), Herausgeber des \u201eHochw\u00e4chters&#8220;, des \u201eOrgans der w\u00fcrttembergischen Freiheitsm\u00e4nner&#8220;, Gustav Eduard Kolb (1798-1865) von der \u201eSpeyerer Zeitung&#8220;, der sp\u00e4ter die \u201eAugsburger Allgemeine Zeitung&#8220; zur bedeutendsten in Deutschland machte, Johann Gottfried Eisenmann (1795-1867), Herausgeber des \u201eBayerischen Volksblattes&#8220; in W\u00fcrzburg und bereits Teilnehmer am Wartburgfest, Karl August Mebold (1798-1854) von der \u201eDeutschen Zeitung&#8220; in Stuttgart, Karl Mathy (1807-1868) und sein Schwager und Bundesbruder Franz Joseph Stromeyer (1805-1848) vom \u201eW\u00e4chter am Rhein&#8220; in Karlsruhe bzw. vom \u201eFreisinnigen&#8220; in Freiburg, und Johann Adam F\u00f6rster (1796-1890), der in Fulda das \u201eTeutsche Volksblatt. Eine konstitutionelle Zeitschrift f\u00fcr Volks- und Staatsleben&#8220; herausgab. Gef\u00fchrt wurde der Pre\u00dfverein von zwei bekannten Liberalen, vom Journalisten, Publizisten und ehemaligen Verwaltungsjuristen Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) und von Johann Georg August Wirth (1798-1848), der w\u00e4hrend seines Studiums in Erlangen zun\u00e4chst der Landsmannschaft Franconia angeh\u00f6rte und 1817 Mitgr\u00fcnder der Burschenschaft war, insgeheim aber auf die Gr\u00fcndung der Landsmannschaft der Franken &#8211; das sp\u00e4tere Corps Franconia &#8211; hinarbeitete, deren erster Senior er wurde. Wirth entwickelte sich zu einem scharfen Gegner der Burschenschaft, arbeitete als Anwalt, Journalist und Redakteur. Bekannt wurde er durch seine liberale Zeitung, die an wechselnden Orten in der Pfalz erscheinende \u201eDeutsche Trib\u00fcne&#8220;, die er gemeinsam mit dem Jenaer, G\u00f6ttinger und Heidelberger Burschenschafter Karl Georg Heinrich Fein (1803-1869) herausgab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Vorbereitungen<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Im Fr\u00fchjahr 1832 wurde in Weinheim nicht nur ein \u201eFest der freien Presse&#8220; gefeiert, das Siebenpfeiffer und Wirth ausrichteten und an dem auch zahlreiche Heidelberger Burschenschafter teilnahmen, sondern auch ein Fest zur Feier der regierungsseitig vielfach gebrochenen bayerischen Verfassung auf der Feste Hambach geplant, deren Jahrestag der 26. Mai war. Es wurde vor allem durch Siebenpfeiffer zu einem Fest gegen die Regierung umfunktioniert. Unter dem Titel \u201eDer Deutschen Mai&#8220;, angelehnt \u201ean die Maiversammlungen der Franken [Franzosen, H. L.] und an die Maiverfassung der Polen&#8220;, richtete er einen Aufruf an \u201ealle deutschen St\u00e4mme&#8220;: \u201eAuf, ihr deutschen M\u00e4nner und J\u00fcnglinge jedes Standes, welchen der heilige Funke des Vaterlandes und der Freiheit die Brust durchgl\u00fcht, str\u00f6met herbei! Deutsche Frauen und Jungfrauen, deren politische Mi\u00dfachtung in der europ\u00e4ischen Ordnung ein Fehler und ein Flecken ist, schm\u00fccket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart! Kommet Alle herbei zu friedlicher Besprechung, inniger Erkennung, entschlossener Verbr\u00fcderung f\u00fcr die gro\u00dfen Interessen, denen ihr eure Liebe, denen ihr eure Kraft geweiht.&#8220; Mit diesen Worten traf Siebenpfeiffer genau den Geist der Zeit. Das Echo auf den Aufruf war enorm und \u00fcberraschte die Initiatoren. Der Jenaer Burschenschafter Hermann von der Hude (1811-1858) schrieb am 18. Juni an seinen Bundesbruder Maximilian Heinrich R\u00fcder (1808-1880) in Eutin: \u201eWie wir nach Hambach zogen, trugen die meisten von uns den festen Glauben in sich, jetzt ihr Leben f\u00fcr die heilige Sache des Vaterlandes aufopfern zu m\u00fcssen.&#8220; Aber auch die Regierung wurde aufmerksam und verbot am 6. Mai 1832 das Fest, was allgemeine Emp\u00f6rung ausl\u00f6ste. Sie wurde so stark, da\u00df das Verbot am 17. Mai wieder aufgehoben werden mu\u00dfte. \u00dcberall bereitete man sich auf das Fest vor. Es diente der Herstellung politischer \u00d6ffentlichkeit und wurde als wichtige Kommunikationsm\u00f6glichkeit begriffen. Hier konnten nationale Reden gehalten und Lieder gesungen werden, hier war die Verbreitung liberaler Ideen m\u00f6glich, hier konnte die nationale Einheit propagiert und damit verbundene politische Aufbruchshoffnungen geweckt und gesch\u00fcrt werden. Soziale und regionale Grenzen wurden im Zeichen der Nation aufgebrochen, im Fest wurde die Nationsbildung zu einem Massenerlebnis. Und das nicht nur in Hambach. Die Daheimgebliebenen setzten eigene Freiheitsb\u00e4ume mit schwarz-rot-goldenen B\u00e4ndern und Fahnen. In Homburg wurden Regierung und B\u00fcrgermeister bedroht, als sie den Baum entfernen wollten. Im Landkommissariat Pirmasens wurden 26 B\u00e4ume gesetzt, \u00fcber 230 werden der Regierung von ihren Beamten innerhalb weniger Tage gemeldet. Aus allen Himmelsrichtungen str\u00f6mten die Festbesucher zusammen, aus Baden und Hessen kommen sie, Polen und Franzosen nehmen teil. \u201eMan bemerkte insbesondere B\u00fcrger aus Stra\u00dfburg, Colmar, Paris, Metz, Wei\u00dfenburg, Manchester, Konstanz, Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg, Mannheim, Marburg, T\u00fcbingen, W\u00fcrzburg, Jena, G\u00f6ttingen, Stralsund, Coburg, M\u00fcnchen, Frankfurt, N\u00fcrnberg &#8230;&#8220; Drei\u00dfigtausend Menschen finden sich im nur sechstausend Einwohner z\u00e4hlenden Neustadt a. d. Haardt ein: \u201eVon Viertelstunde zu Viertelstunde langten neue Z\u00fcge von Patrioten an, die meisten auf offenen mit Eichenlaub bekr\u00e4nzten Wagen, auf denen die deutsche Fahne wehte&#8220;. In Hambach setzte sich Schwarz-Rot-Gold als die deutsche Trikolore durch, schwarz-rot-goldene Kokarden, Sch\u00e4rpen, Fahnen und B\u00e4nder waren k\u00fcnftig das Zeichen nationaler Freiheit und Einheit. Einige Fahnen haben sich erhalten, eine h\u00e4ngt heute etwa im Plenarsaal des rheinland-pf\u00e4lzischen Landtags in Mainz, eine andere im Gro\u00dfen Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Der Ablauf des Festes<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00dcber den Ablauf des Festes sind wir gut unterrichtet, vor allem durch die zahlreichen Berichte der Polizeispitzel. Einer aus Mainz wurde sogar erkannt, verpr\u00fcgelt und eingesperrt. Junge Leute stimmten ein Lied an, das \u201ezum Refrain hatte: \u201aNun kommt der V\u00f6lker Schmaus, F\u00fcrsten zum Land hinaus &#8230;\u2018&#8220; Advokaten und Prediger wurden als die eifrigsten Teilnehmer gemeldet, es \u201ebed\u00fcrfe nur eines Winks der Anf\u00fchrer und Alles sei zum gewaffneten Widerstande bereit, man sei v\u00f6llig gefa\u00dft darauf &#8230; Der ber\u00fcchtigte Boerne und Harro Harring&#8220; &#8211; 1818\/19 wahrscheinlich Kieler und sicher Dresdner Burschenschafter &#8211; \u201ewaren auch anwesend&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In Gasth\u00e4usern und Tanzs\u00e4len \u201eist der Teufel los&#8220;. Devotionalien von eigens komponierten Musikst\u00fccken bis hin zum schwarz-rot-goldenen Bonbonpapier werden angeboten und finden rei\u00dfenden Absatz. Im Schie\u00dfhaus, einer Wirtschaft vor der Stadt, sammelt sich ein gro\u00dfer Teil der bekannteren G\u00e4ste. Wirth bemerkt in der von ihm herausgegebenen Festbeschreibung \u201eDas Nationalfest der Deutschen zu Hambach&#8220;, man habe Vertreter aller deutschen St\u00e4mme dort gesehen, \u201eund unter Ihnen die in Deutschland am h\u00f6chsten stehenden Namen. Es war ein gro\u00dfer, sch\u00f6ner Moment, wo alte Freunde einander wiedersahen, wo neue Freundschaften geschlossen wurden, und wo vor allem die Br\u00fcderst\u00e4mme der Deutschen &#8230; mit Begeisterung sich umschlangen und die gro\u00dfen Interessen des gemeinsamen Vaterlandes &#8230; lebhaft verhandelten&#8220;: aus der Pariser Emigration war der Schriftsteller Ludwig B\u00f6rne gekommen, der nordfriesische Revolutionsdichter Harro Harring und der Advokat und Publizist Jacob Venedey (1805-1871) &#8211; alte Bonner und Heidelberger Burschenschaft sowie Germania Jena &#8211; waren erschienen. Besonders st\u00fcrmisch gefeiert wurden Karl Heinrich Br\u00fcggemann (1810-1887), Mitglied der Bonner Burschenschaft Germania, Heidelberger F\u00e4\u00dflianer und Mitglied der dortigen alten Burschenschaft Franconia, und der Jenaer, M\u00fcnchner und Heidelberger Burschenschafter Gustav Peter K\u00f6rner (1809-1896), im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr ein F\u00fchrer der Wachenst\u00fcrmer, sp\u00e4ter Vizegouverneur von Illinois und US-Gesandter in Madrid. Beide sprachen f\u00fcr die anwesenden Studenten. Allein \u00fcber dreihundert Heidelberger Burschenschafter waren am 25. Mai \u201eim langen Zug gekommen, vor sich eine gro\u00dfe Schwarz-Roth-Goldene Fahne hertragend&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Sie stellten nur eine, wenn auch sehr aktive und auf Grund ihrer B\u00e4nder und M\u00fctzen besonders auffallende Minderheit, als das Fest am Abend des 26. Mai begann. Glocken l\u00e4uteten, B\u00f6ller erdr\u00f6hnten und auf den h\u00f6chsten Gipfeln des Haardtgebirges erleuchteten Freudenfeuer die Nacht bis zum n\u00e4chsten Morgen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Es wurden Reden gehalten, gezecht und gesungen. Am 27., fr\u00fch um 8.00 Uhr, versammelten sich die Teilnehmer auf dem Neust\u00e4dter Marktplatz zum Zug auf die Hambacher Ruine, voran eine Abteilung der B\u00fcrgergarde, gefolgt von \u201eFrauen und Jungfrauen mit der poln. Fahne&#8220;, wiederum B\u00fcrgergarde, dann \u201eeine Abtheilung der Festordner, von welchen jeder eine Sch\u00e4rpe aus schwarz, roth und gold trug, in der Mitte die deutsche Fahne, mit der Inschrift \u201aDeutschlands Wiedergeburt\u2018&#8220;.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Zug sang Ernst Moritz Arndts \u201eWas ist des Deutschen Vaterland?&#8220;, das bis 1870 als heimliche deutsche Nationalhymne galt, dazu die beliebten Polenlieder \u201eNoch ist Polen nicht verloren&#8220; &#8211; sp\u00e4ter polnische Nationalhymne &#8211; und \u201eIn Warschau schwuren Tausend auf den Knien&#8220; sowie immer wieder Siebenpfeiffers Festhymne \u201eHinauf, Patrioten, zum Schlo\u00df&#8220; nach der Melodie von Schillers Reiterlied:<em>Hinauf, Patrioten, zum Schlo\u00df, zum Schlo\u00df!Hoch flattern die deutschen Farben:Es keimet die Saat und die Hoffnung ist gro\u00df,Schon binden im Geiste wir Garben:Es reifet die \u00c4hre mit goldenem Rand,<br \/>\nUnd die goldne Ernt&#8216; ist das &#8211; Vaterland.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em>Wir sahen die Polen, sie zogen aus,<br \/>\nAls des Schicksals W\u00fcrfel gefallen;<br \/>\nSie lie\u00dfen die Heimat, das Vaterhaus,<br \/>\nIn der Barbaren R\u00e4uberkrallen:<br \/>\nVor des Zaren finsterem Angesicht<br \/>\nBeugt der Freiheit liebende Pole sich nicht.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em>Auch wir, Patrioten, wir ziehen aus<br \/>\nIn festgeschlossenen Reihen;<br \/>\nWir wollen uns gr\u00fcnden ein Vaterhaus,<br \/>\nUnd wollen der Freiheit es weihen:<br \/>\nDenn vor der Tyrannen Angesicht<br \/>\nBeugt l\u00e4nger der freie Deutsche sich nicht.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em>Was t\u00e4ndelt der Badner mit Gelb und Rot,<br \/>\nMit Wei\u00df, Blau, Rot Bayer und Hesse?<br \/>\nDie vielen Farben sind Deutschlands Not,<br \/>\nVereinigt&#8216; Kraft nur zeugt Gr\u00f6\u00dfe:<br \/>\nD&#8217;rum weg mit der Farben buntem Tand!<br \/>\nNur eine Farb&#8216; und ein Vaterland!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em>D&#8217;rum auf, Patrioten, der Welt sei kund,<br \/>\nDa\u00df eng, wie wir stehen gegliedert,<br \/>\nUnd dauernd wie Fels der ewige Bund,<br \/>\nWozu wir uns heute verbr\u00fcdert.<br \/>\nFrisch auf, Patrioten, den Berg hinauf!<br \/>\nWir pflanzen die Freiheit, das Vaterland auf!<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Oben wurde \u201eauf einem erh\u00f6hten Punkte die polnische, und oben auf den h\u00f6chsten Zinnen der Ruine die deutsche Fahne aufgepflanzt. Weithin \u00fcber die gesegneten Auen wehte nun das stolze Banner unseres Vaterlandes. &#8230; Oben ganz nahe an den Burgmauern war ein sch\u00f6ner ebener Platz mit Verzierungen von gr\u00fcnem eichenen Laub und einer Ehrenpforte, dann eine Trib\u00fcne, wo die Volksredner Reden gehalten haben.&#8220; Siebenpfeiffer pries den Tag, \u201ean welchem die F\u00fcrsten die bunten Hermeline feudalistischer Gottstatthalterschaft mit der m\u00e4nnlichen Toga deutscher Nationalw\u00fcrde vertauschen m\u00fc\u00dften! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schw\u00f6rt: Vaterland, Volkshoheit, V\u00f6lkerbund hoch!&#8220;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Dann sprach Wirth \u00fcber \u00d6sterreichs und Preu\u00dfens partikulare und volksfeindliche Politik, \u00fcber die geknechteten V\u00f6lker Ungarns, Polens, Italiens und Deutschlands. Er entwickelt seine Vision von einem republikanischen Europa der Nationen, vom freien Handel und einer Gesellschaft mit Bildung und Wohlstand f\u00fcr alle, gefolgt von einem dreimaligen Fluch auf die K\u00f6nige und F\u00fcrsten als Volksverr\u00e4ter. An dieser Stelle habe Wirths Wut, so ein Burschenschafter, ihren Gipfel erreicht: \u201eDer Schwei\u00df rann ihm vom Gesicht, sein Mund sch\u00e4umte &#8230;&#8220; Anschlie\u00dfend schlug Wirth ohne Erfolg eine politische Organisation vor, wozu zwanzig Patrioten als Wahlm\u00e4nner gew\u00e4hlt werden sollten, die die Reform in und f\u00fcr ganz Deutschland vorbereiteten. Er schlo\u00df: \u201eHoch! dreimal hoch leben die vereinigten Freistaaten Deutschlands! Hoch! dreimal hoch das conf\u00f6derirte republikanische Europa!&#8220; Geantwortet wird ihm erst mit Staunen, gefolgt von unbeschreiblichem Jubel. Wirth ist der einzige Redner, der konkrete Vorschl\u00e4ge unterbreitet. Zugleich warnte er vor der \u201eMithilfe Frankreichs&#8220;, das doch nur die Rheingrenze als Preis dieser Hilfe im Kopf habe, was die anwesenden Franzosen ebenso wie die R\u00fcckforderung Elsa\u00df-Lothringens nicht wenig verletzte: \u201eSelbst die Freiheit darf auf Kosten der Integrit\u00e4t unseres Gebietes nicht erkauft werden; der Kampf um unser Vaterland und unsere Freiheit mu\u00df ohne fremde Einmischung durch unsere eigene Kraft von innen heraus gef\u00fchrt werden, und die Patrioten m\u00fcssen in dem Augenblicke, wo fremde Einmischung statt findet, die Opposition gegen die inneren Verr\u00e4ter suspendiren und das Gesammtvolk gegen den \u00e4u\u00dferen Feind zu den Waffen rufen.&#8220; Hier klangen die Erfahrungen der Befreiungskriege nach, aber auch aktuelle Meldungen \u00fcber einen bevorstehenden republikanischen Aufstand in Paris, den manche wie der Festmitorganisator, der Zweibr\u00fccker Rechtsanwalt Friedrich Sch\u00fcler (1791-1873), bis auf die Pfalz meinten ausdehnen zu k\u00f6nnen. Wirth bef\u00fcrchtete, \u201eda\u00df vielen die Freiheit oder gar eine Losl\u00f6sung der Pfalz von Bayern wichtiger sein k\u00f6nnte als das gemeinsame Vaterland. Statt allzu lange auf \u201aDeutschlands Wiedergeburt\u2018 zu warten, w\u00fcrde sich in der Tat manch einer lieber mit dem Spatz in der Hand begn\u00fcgen, einer linksrheinischen Republik etwa mit franz\u00f6sischer Unterst\u00fctzung.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Wirths Rede wird von den Regierungen als direkte Aufforderung zu Revolution und Umsturz gewertet. Zumindest viele der anwesenden Burschenschafter sehen es so, einer der Samen des elf Monate sp\u00e4ter stattfindenden Frankfurter Wachensturms ist hier gelegt worden. Die Studenten jubelten, als Wirth nach seiner Rede wegen seines Kampfes f\u00fcr die Pressefreiheit ein eigens angefertigtes Schwert \u00fcberreicht wird, in dessen Klinge \u201eDem Wirth\/Deutsche in Frankfurt&#8220; und der leicht ver\u00e4nderte burschenschaftliche Wahlspruch \u201eVaterland &#8211; Ehre &#8211; Freiheit&#8220; eingraviert ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Mit den Reden und Feierlichkeiten auf dem Hambacher Schlo\u00df war das Fest nicht zu Ende. An den n\u00e4chsten Tagen hielten sich noch Tausende in und um Neustadt auf, die Fahnen wurden erst am 1. Juni eingeholt. Am Montagvormittag, am 28. Mai, trafen sich im Schie\u00dfhaus f\u00fcnfhundert f\u00fchrende Demokraten, darunter zahlreiche ehemalige Burschenschafter. Das Treffen ist weder in der Festbeschreibung erw\u00e4hnt noch melden es alle Agenten. \u201eDer spezielle Gegenstand, welcher hier im Schie\u00dfhause verhandelt wurde, bestand aber darin, da\u00df die Redner darauf drangen, es sollten die einzelnen deutschen St\u00e4mme jeder einen Mann aus seiner Mitte w\u00e4hlen, welcher das Vertrauen seiner Mitb\u00fcrger genie\u00dfe.&#8220; Die Gew\u00e4hlten sollten einen \u201eNational-Konvent&#8220; bilden, die Radikalen verlangten die Bestimmung eines Tages, an dem \u201elosgeschlagen&#8220; werden sollte. Schlie\u00dflich verst\u00e4ndigte man sich auf den Ausbau des Pre\u00dfvereins, der zu einem Nationalkomitee werden sollte, einer \u201eNational-Repr\u00e4sentation&#8220;, die dem Bundestag der F\u00fcrsten als Volksvertretung bei- oder \u00fcbergeordnet wird. Br\u00fcggemann \u00e4u\u00dferte Bedenken, Venedey erschien die Debatte absurd: man solle jeden Gedanken an Legalit\u00e4t abtun, solle das Gesetz der F\u00fcrsten brechen und sich das Recht zum gewaltsamen Umsturz auf ungesetzlichem Wege nehmen. Ein Ergebnis zeichnete sich nicht ab, die Versammlung endete chaotisch, eine revolution\u00e4re Aktion wird nicht gestartet. Schlie\u00dflich setzte man sich im kleinen Kreis nochmals zusammen. Der Pre\u00df- und Vaterlandsverein wird in \u201eDeutscher Reformverein&#8220; umbenannt, soll die politischen Ergebnisse der Hambacher Volksversammlung auswerten und die liberalen Ideen weiterentwickeln und verbreiten. Dazu kam es nicht, denn die Polizei entdeckte bei Siebenpfeiffer ein Programm mit Forderungen wie Volksbewaffnung, Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und V\u00f6lkerbund. Er und Wirth wurden verhaftet, angeklagt und im Aufsehen erregenden Landauer \u201eAssisenproze\u00df&#8220; verurteilt, beiden gelingt die Flucht in die Schweiz.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Folgen des Hambacher Festes<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Wie ihnen ergeht es vielen. K\u00f6rner vermutete schon, \u201eda\u00df der Zorn der K\u00f6nige und F\u00fcrsten viele unter uns treffen w\u00fcrde&#8220;. Der Deutsche Bund reagiert mit Verfolgung und Repression &#8211; der anfangs genannte Hude sitzt drei Jahre in Haft -, Truppen werden in die Pfalz verlegt, 8.500 Mann, fast die H\u00e4lfte der bayerischen Armee. Deren Befehlshaber, Feldmarschall F\u00fcrst Wrede, droht mit Stand- und Kriegsrecht und m\u00f6chte R\u00e4delsf\u00fchrer aufh\u00e4ngen oder erschie\u00dfen lassen, was die M\u00fcnchner Regierung jedoch nicht genehmigt. Liberale und Demokraten gehen ins Exil in die Schweiz, nach Frankreich oder in die USA, die Versammlungs- und Pressefreiheit wird weiter eingeschr\u00e4nkt und die Karlsbader Beschl\u00fcsse wieder in Kraft gesetzt, vor allem nach dem Frankfurter Wachensturm, als dessen eigentlichen Ausl\u00f6ser die Regierungen das Hambacher Fest betrachten. Es findet Nachahmung in Vach, St. Wendel, K\u00f6nigstein i. Ts., Butzbach i. Hess., Regensburg, Augsburg, Dinkelsb\u00fchl, Schmalkalden, auf dem Niederwald, in Badenweiler, Spaichingen i. W\u00fcrtt. und auf dem Wollenberg bei Marburg, vor allem die Feste in Gaibach bei W\u00fcrzburg und in Wilhelmsbad bei Hanau &#8211; dort war Br\u00fcggemann wiederum sehr engagiert &#8211; sind erw\u00e4hnenswert. Doch erst mit der M\u00e4rzrevolution 1848 gelingt der nationalen und liberalen Opposition ein erneuter, diesmal wenigstens zeitweise erfolgreicher Vorsto\u00df. Viele, die in Hambach teilnahmen, sa\u00dfen sechzehn Jahre sp\u00e4ter als Abgeordnete in der Nationalversammlung, so auch Wirth, Hudes Briefpartner R\u00fcder, Mathy, Eisenmann und F\u00f6rster.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Fazit<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Hambach war die Fortsetzung des Wartburgfestes &#8211; so bereits Br\u00fcggemann in seiner Festrede -, was auf der Wartburg die Studenten, das habe in Hambach das ganze Volk geschworen. Alles sei \u201edeutsch und Schwarz-Roth-Gold&#8220; gewesen. Hambach war die gr\u00f6\u00dfte und bedeutendste demokratische Volksversammlung des Vorm\u00e4rz, die erste politische Massenveranstaltung in Deutschland, der H\u00f6hepunkt einer breiten Bewegung in den deutschen Staaten, die erstmalige massenhafte Vertretung nationaler, radikaler republikanischer Forderungen und mit dem Pre\u00dfverein der erste Versuch des Aufbaus einer organisierten Partei sowie die \u201eerste Formulierung und Proklamation der Grundrechte des deutschen Volkes. Das Einzigartige und bis dahin noch nie Dagewesene hat Wirkung und Sprengkraft \u00fcber das Jahrhundert hinaus.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Quelle des Artikels \u00fcber das Hambacher Fest:<a href=\"https:\/\/burschenschaft.de\/die-burschenschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die-burschenschaft<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>2.4. Ver\u00e4nderungen um 1848<\/strong> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Schon vor den Revolutionen von 1848 bildeten sich die ersten betont christlichen Studentenverbindungen. Denn viele Studenten vermi\u00dften das christlich-religi\u00f6se Element und wollten es zum Bestandteil ihres traditionellen Gemeinschaftslebens machen. Sie waren auch die ersten, die das studentische Fechten zur Austragung von Ehrenh\u00e4ndeln f\u00fcr sich ablehnten. 1836 verzichtete die neu gegr\u00fcndete Uttenruthia (Erlangen) von Beginn an auf Duell und Mensur. Das war damals geradezu revolution\u00e4r.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Daraus entstanden zahlreiche Christliche Studentenverbindungen in wiederum ganz verschiedenen Formen auf sowohl evangelischer wie katholischer Seite. Die \u00e4lteste katholische Studentenverbindung existiert seit 1844.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Zugleich bildete sich im Umfeld der politischen Emanzipation des B\u00fcrgertums die sogenannte &#8222;Progressbewegung&#8220; an den Hochschulen, die die studentischen Traditionen abschaffen oder an die b\u00fcrgerliche Kultur der Zeit anpassen wollte. Doch auch die neuen Progressverbindungen konnten die bereits etablierte studentische Kultur nicht abl\u00f6sen. Aus ihnen bildeten sich teilweise heute noch existierende Turnerschaften, S\u00e4ngerschaften und eine neue Art von Landsmannschaften.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">1848 erzwang die erste demokratische Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche die Aufhebung der Karlsbader Beschl\u00fcsse. Die nun m\u00f6gliche Liberalisierung der deutschen Gesellschaft markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Studentenverbindungen. Aus verbotenen &#8222;Untergrundorganisationen&#8220; unbotsamer Jugendlicher wurden Zusammenschl\u00fcsse der akademischen Elite der Nation. Die Burschenschafterfarben Schwarz-Rot-Gold wurden sogar zu den Farben des Deutschen Bundes erkl\u00e4rt. Von nun an entfaltete sich die ganze Vielfalt der deutschen Studentenverbindungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Auch die &#8222;ehemaligen Mitglieder&#8220; &#8211; heute Alte Herren genannt &#8211; bekannten sich nun zu ihrem fr\u00fcheren Studentenbund. Da viele von ihnen mittlerweile Spitzenpositionen der Gesellschaft eingenommen hatten, konnten sie ihren Einfluss etwa in der Nationalversammlung geltend machen. Dort waren viele alte Corpsstudenten und Burschenschafter vertreten. Die ersten Stiftungsfeste wurden mit den &#8222;Ehemaligen&#8220; gefeiert. Um dabei zu sein, reisten berufst\u00e4tige Akademiker mit der neuen Eisenbahn kurzfristig f\u00fcr wenige Tage in ihre alte Universit\u00e4tsstadt. Die so m\u00f6gliche engere Verbindung war die Basis f\u00fcr die sp\u00e4teren Altherrenvereine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die zunehmende Industrialisierung verlangte neue und h\u00f6her qualifizierte Berufe auf breiter Front. Neue Ausbildungsg\u00e4nge entstanden, neu gegr\u00fcndete Fachschulen, etwa f\u00fcr Landwirtschaft und Technik, Forst- und Bergakademien gewannen st\u00e4rkere Bedeutung. Sie waren Vorl\u00e4ufer der heutigen Technischen Universit\u00e4ten und Fachhochschulen. Auch an diesen neuen Instituten bildeten sich bald Studentenb\u00fcnde, die traditionelle Verbindungsformen \u00fcbernahmen. An den Gymnasien und Oberrealschulen formierten sich Sch\u00fclerverbindungen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die &#8222;Alten Herren&#8220; trugen die studentische Kultur offen in das b\u00fcrgerliche Leben hinein. So gewannen ihre Sitten zunehmend Einfluss auf Sprache und Gewohnheiten der deutschen Bev\u00f6lkerung. Studentische Ausdr\u00fccke wie &#8222;Kneipe&#8220;, &#8222;Bursche&#8220;, auch Redensarten wie &#8222;anpumpen&#8220;, &#8222;eine Abfuhr erteilen&#8220;, &#8222;in Verruf kommen&#8220; wurden Teil der Umgangssprache. Es kam in Mode, studentische Sitten nachzuahmen. So wurde sogar in den 1870er Jahren f\u00fcr die Sch\u00fcler weiterf\u00fchrender Schulen nach dem Muster der Studentenm\u00fctzen so genannte Sch\u00fclerm\u00fctzen eingef\u00fchrt, die die Sch\u00fcler nach Schule und Klassenstufe klassifizierten &#8211; auch ohne jede Verbindungszugeh\u00f6rigkeit.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Aufhebung der Karlsbader Beschl\u00fcsse erm\u00f6glichte nun auch daas Aufleben des b\u00fcrgerlichen Vereinswesens. Es gr\u00fcndeten sich die vielfach noch heute existierenden Turn- und Gesangsvereine, die auch bald Kommerse und Stiftungsfeste feierten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Selbst f\u00fcr die S\u00f6hne regierender Adelsh\u00e4user (Preu\u00dfen, W\u00fcrttemberg, Baden, Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Coburg-Gotha, Schaumburg-Lippe etc.) wurde es nun opportun, in einer Studentenverbindung zu sein. Daf\u00fcr kamen allerdings nur nach bestimmten Kriterien ausgew\u00e4hlte Corps in Frage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>2.5 Die Kaiserzeit<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 erf\u00fcllte zwar nicht alle, aber einige Forderungen des B\u00fcrgertums, besonders der Burschenschaftsbewegung: vor allem die Einheit Deutschlands und eine gemeinsame Reichsverfassung. Allgemeine Menschen- und B\u00fcrgerrechte wie das freie Wahlrecht, Versammlungs- und Redefreiheit blieben weiterhin stark eingeschr\u00e4nkt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Das Kaiserreich wurde vom Gro\u00dfb\u00fcrgertum und Adel beherrscht und gepr\u00e4gt. Deren politische Ziele glichen sich stark an. Die Verbindungsstudenten geh\u00f6rten nun zur etablierten F\u00fchrungsschicht und st\u00fctzten diese. Ihre Mitglieder besetzten h\u00f6chste Positionen im Staat: So waren Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. zu ihrer Studienzeit Corpsstudenten.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Industrialisierung lie\u00df nun auch in der Arbeiterschaft eine politische Kraft entstehen: Sie organisierte sich seit etwa 1860 in Gewerkschaften, seit 1871 in der neugegr\u00fcndeten SPD. Auch dort spielten einige Verbindungsstudenten wie Karl Marx, Wilhelm Liebknecht und Ferdinand Lassalle eine hervorragende Rolle.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Dennoch sahen die Arbeiter die Studentenverbindungen \u00fcberwiegend als Gegner, da diese die konservativ-nationalen Ideen und Ziele des B\u00fcrgertums verk\u00f6rperten. Diese Konstellation besteht bis heute: Vertreter des linken politischen Spektrums kritisieren das gesamte Verbindungswesen oft scharf.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Antisemitismus der Zeit ergriff auch Studentenverbindungen. Reaktionen auf den Antisemitismus und das Ausma\u00df des Antisemitismus in Verbindungen unterschieden sich dabei von Dachverband zu Dachverband und von Verbindung darin zu Verbindung; auch ver\u00e4nderte sich in einem Dachverband die Ansicht zum Antisemitismus h\u00e4ufig im Laufe der Jahre mehrmals. Erstmals 1817 gab es Ausgrenzungen von Juden, die in der Zeit um 1880 nochmals eine Spitze erreichten. Dennoch waren auch bedeutende Juden immer wieder in der Korporationsszene anzutreffen, beispielsweise den Burschenschafter Theodor Herzl. Der verlie\u00df die Verbindung allerdings nach nur drei Jahren, noch vor Beendigung seines Studiums, wegen antisemitischer \u00c4u\u00dferungen anderer Verbindungsstudenten wieder. Ein urspr\u00fcnglich betont antisemitisch gegr\u00fcndeter Dachverband war der VVDSt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Daraufhin gr\u00fcndeten sich j\u00fcdische Studentenverbindungen. Die Reichsverfassung von 1871 garantierte Juden theoretisch erstmals rechtliche Gleichstellung. Das durch Preu\u00dfen dominierte neue Vaterland versprach ihnen einen Fortschritt gegen\u00fcber absolutistischen, kleinstaaterischen und gegenaufkl\u00e4rerischen Positionen der Restaurationszeit.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Neben den meisten j\u00fcdischen Studentenverbindungen, die sich zum deutschen Patriotismus bekannten, gab es auch zionistische Verbindungen, die studentische Traditionen mit Zionismus verkn\u00fcpften: So sang man etwa das patriotische Lied &#8222;Die Wacht am Rhein&#8220; als &#8222;Die Wacht am Jordanstrand&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">J\u00fcdische Studentenverbindungen legten gro\u00dfen Wert darauf, sich durch besonderen Eifer in Mensur und Duell als den anderen Verbindungen gleichwertig zu erweisen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Um 1900 wurden schrittweise Frauen zum regul\u00e4ren Universit\u00e4tsstudium zugelassen. Schon 1899 bildeten sich die ersten Zusammenschl\u00fcsse von Studentinnen, von denen einige verbindungs\u00e4hnlichen Charakter hatten (siehe Damenverbindung).<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Auch die Studentenzahl nahm um diese Zeit stark zu: Manche Quellen sprechen von \u00fcber 1.300 Studentenverbindungen und 49 verschiedenen Dachverb\u00e4nden. Das deutsche Kaiserreich gilt bis heute als Bl\u00fctezeit der Studentenverbindungen: weniger wegen der absoluten Mitgliederzahlen, eher wegen des hohen gesellschaftlichen Ansehens in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die zunehmende gesellschaftliche Etablierung und die fortschreitende Einbindung der Alten Herren ver\u00e4nderte das Verbindungsleben grundlegend. Besonders durch die Gr\u00fcndung der ersten Altherrenverb\u00e4nde (Verband Alter Corpsstudenten 1888) bildete sich eine neue finanzielle Grundlage. Viele Verbindungen leisteten sich nun Angestellte &#8211; auch Faxe, Couleur- oder Corpsdiener genannt &#8211; und bauten bald die ersten Korporationsh\u00e4user, meist als prunkvolle Jugendstilvillen oder historisierende &#8222;Ritterburgen&#8220;.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Erste Weltkrieg beendete diese &#8222;alte Burschenherrlichkeit&#8220;. Alle gesunden jungen M\u00e4nner mu\u00dften in den Krieg. Das brachte auch vielen Studenten und Akademikern die Einberufung, das Ende der Karriere oder den Tod. Das Universit\u00e4tsleben kam praktisch zum Erliegen. Nur zum Teil konnten Alte Herren oder verwundete Kriegsheimkehrer den Betrieb m\u00fchsam aufrecht erhalten. Die Hochschulen schlossen zwar nicht, aber viele Verbindungen mu\u00dften suspendieren. Manche erholten sich nicht mehr davon. Vor allem Damenverbindungen wurden nach 1918 nicht wieder aktiviert.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Dennoch bejahten alle Verbindungen den Krieg als Dienst &#8222;f\u00fcrs Vaterland&#8220; und trugen ihn mit. Viele Akademiker w\u00e4hlten eine Offizierslaufbahn \u00fcber den Krieg hinaus. F\u00fcr viele brach eine Welt zusammen, als der letzte kaiserliche Reichskanzler, der Corpsstudent Max von Baden, die Abdankung des Kaisers verk\u00fcndete und die Regierungsgesch\u00e4fte dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert \u00fcbergab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.6. Die Freistudentenbewegungen und die Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden an vielen Universit\u00e4ten Freistudentenbewegungen, die sich in so genannten Finkenschaften als &#8222;Korporation gegen die Korporationen&#8220; organisierten. 1905 wurde der &#8222;Verband Deutscher Hochschulen&#8220; als Gesamtverband der deutschen Freistudenten gegr\u00fcndet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In der Folgezeit entstanden durch die Zusammenarbeit von Hochschulverwaltungen, Korporationen und Freistudentenorganisationen die ersten Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse (AStA). Der Verband Deutscher Hochschulen forderte in diesem Zusammenhang f\u00fcr alle Studenten verbindliche Aussch\u00fcsse auf parlamentarischer Grundlage. Die Finkenschaften sahen sich satzungsgem\u00e4\u00df als Vertreterinnen der gesamten nicht-korporierten Studentenschaft, beschr\u00e4nkten ihren Vertretungsanspruch daher nicht nur auf die eigenen Mitglieder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Korporationen verlangten dagegen, den nicht korporierten Studenten ein Wahlrecht zuzugestehen, von welcher Gruppe sie vertreten werden wollen. Strittig war weiterhin die Frage, wie weit die Kompetenzen eines allgemeinen Studentenausschusses reichen sollen. Ein allgemeinpolitisches Mandat wurde von den Verbindungen grunds\u00e4tzlich abgelehnt und die Beschr\u00e4nkung auf hochschulpolitische Themen vorgeschlagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die aus Kompromissen der beteiligten Gruppen entstandenen Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse existierten jedoch nur in der kurzen Zeit bis zum Ersten Weltkrieg, und wurden dann durch neue Formen studentischer Mit- und Selbstverwaltung abgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>2.7. Weimarer Republik<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Im Jahre 1919 erkl\u00e4rte die erste gew\u00e4hlte Regierung der Weimarer Republik die Trikolore Schwarz-Rot-Gold zu den offiziellen Staatsfarben. Das vom Burschenschafter Hoffmann von Fallersleben gedichtete Lied der Deutschen wurde zur Nationalhymne.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Zuvor hatte der noch nicht gew\u00e4hlte Reichskanzler Friedrich Ebert eine folgenschwere Entscheidung getroffen: Er lie\u00df sogenannte Freikorps aufstellen, um die am 16. November 1918 von der provisorischen Regierung beschlossene, vom Reichsr\u00e4tekongre\u00df im Dezember best\u00e4tigte Sozialisierung der Wirtschaft zu verhindern und zu erwartende Massenstreiks niederzuschlagen. Daraufhin l\u00f6ste sich die provisorische Regierung noch vor den allgemeinen Wahlen auf (siehe Novemberrevolution).<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Diese Freikorps bestanden aus Kriegsheimkehrern des 1. Weltkriegs und waren &#8211; anders als fr\u00fchere Freiwilligenverb\u00e4nde vor 1848 &#8211; ein Sammelbecken f\u00fcr monarchistische und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Kr\u00e4fte. Ihnen und den regul\u00e4ren Freiwilligen-Verb\u00e4nden der Reichswehr geh\u00f6rten auch Mitglieder von Studentenverbindungen an.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Mit der Vorgabe, einen linksgerichteten Putsch zu verhindern, erschossen die Freikorps bei Stra\u00dfenk\u00e4mpfen in Berlin im Januar 1919 einige Hundert Arbeiter. Zudem ermordeten sie die F\u00fchrer der neugegr\u00fcndeten KPD, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Danach kam es monatelang zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zusammenst\u00f6\u00dfen in ganz Deutschland mit tausenden Toten. Nach den Wahlen und der Gr\u00fcndung der Weimarer Republik 1919 blieben die Freikorps zun\u00e4chst bestehen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0Doch die meisten Studenten kehrten wieder an die Universit\u00e4ten zur\u00fcck, wo sie ihre Traditionen neu aufleben lie\u00dfen. Die Studentenverbindungen &#8211; auch die eigentlich unpolitischen &#8211; bekannten sich weiterhin zu konservativen und nationalen Ideen und hatten einen Zulauf wie nie zuvor. Ein Teil ihrer Mitglieder lehnte &#8211; wie ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung &#8211; die neue Republik ab. Dabei waren nach wie vor &#8222;Alte Herren&#8220; in der F\u00fchrungselite vertreten, etwa die Reichskanzler Gustav Stresemann, Heinrich Br\u00fcning und Wilhelm Marx. Doch viele &#8222;Aktive&#8220; waren \u00fcberzeugt, dass Deutschland das &#8222;Chaos&#8220; der Weimarer Demokratie und die durch das &#8222;Versailler Diktat&#8220; erzwungenen &#8222;Dem\u00fctigungen&#8220; \u00fcberwinden m\u00fcsse, um sich vom Weltkrieg wieder erholen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Weg dorthin blieb umstritten. Verbindungen bildeten keine Parteien und schlossen sich insgesamt keiner Parteilinie an. Parteipolitische Aktivit\u00e4ten blieben Sache des Einzelnen. Aber ein gro\u00dfer Teil propagierte von nun an die republikfeindliche Konservative Revolution. Davon traten viele sp\u00e4ter der Partei Hitlers, der NSDAP bei.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">1920 beschlo\u00df die &#8222;Deutsche Burschenschaft&#8220; auf dem Eisenacher Burschentag den Ausschlu\u00df aller Juden und mit Juden Verheirateten. Dieser &#8222;Rassenstandpunkt&#8220; wurde nun zur Prestigefrage auch f\u00fcr andere Dachverb\u00e4nde, die in der Kaiserzeit noch tolerante Aufnahmebedingungen hatten (u.a. Kyffh\u00e4userbund, Deutsche Landsmannschaft, Vertreter-Convent der deutschen Turnerschaften, katholischer Cartellverband). Damit \u00fcbernahmen viele Verbindungen eine Vorreiterrolle bei der Ausgrenzung der Juden aus dem akademischen und sonstigen \u00f6ffentlichen Leben.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">1921 beschlossen schlagende und nichtschlagende Studentenverbindungen das Erlanger Verb\u00e4nde- und Ehrenabkommen. Dieses bot erstmals eine Basis zur Beilegung von Streit zwischen diesen Gruppen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die 1930-Jahre waren dann von immer st\u00e4rke<\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">rer Auseinandersetzung mit und Angleichung an die Ideen des konkurrierenden &#8222;Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes&#8220; (NSDStB) gepr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.8.\u00a0 Drittes Reich<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Hitlers Machtergreifung wurde von vielen Studenten begeistert begr\u00fc\u00dft, auch wenn sie nicht zur NSDAP geh\u00f6rten. Die ersten Gewaltma\u00dfnahmen gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden wurden von vielen Verbindungen gutgehei\u00dfen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die neuen Machthaber gaben vor, sogenannte \u201eArbeiter der Stirn&#8220; (Akademiker) und \u201eArbeiter der Faust&#8220; (Arbeiter) gleichrangig zu behandeln. Ab 1934 wurde un\u00fcbersehbar, da\u00df sie Studentenorganisationen nicht von der Gleichschaltungspolitik ausnehmen w\u00fcrden.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die NSDAP bem\u00fchte sich schon fr\u00fch um studentische und akademische Mitglieder, die ihr auch zustr\u00f6mten. 1926 hatte sie dazu den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) gegr\u00fcndet. Dieser organisierte seine Mitglieder in \u00f6rtlichen &#8222;Kameradschaften&#8220; und strebte ihre Kasernierung in einem jeweils zu schaffenden \u201eKameradschaftshaus&#8220; an. Dieses Ziel wurde nun auf alle Studenten \u00fcbertragen. Traditionelle Organisationsformen wurden als \u201ereaktion\u00e4r&#8220;, \u201espie\u00dfig&#8220; und \u201eewiggestrig&#8220; denunziert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die N\u00fcrnberger Rassengesetze sollten in allen bis dahin noch bestehenden Verbindungen rigoros durchgesetzt werden. Die Verwandtschafts- und Abstammungsverh\u00e4ltnisse mu\u00dften in jeder Verbindung per Fragebogen abgefragt werden. Jede Verbindung mu\u00dfte in Folge nicht nur alle Juden, sondern auch alle \u201ej\u00fcdisch versippten&#8220; Nichtjuden, mit \u201eHalb-&#8220; und \u201eViertelj\u00fcdinnen&#8220; verheiratete Mitglieder ausschlie\u00dfen und dar\u00fcber Vollzug melden. Zuwiderhandlungen f\u00fchrten zur Einstufung als \u201enicht-arische Organisation&#8220;, der kein Student angeh\u00f6ren durfte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Betroffene Verbindungen versuchten es zum Teil mit Antr\u00e4gen auf Ausnahmeregelungen und Verz\u00f6gerungstaktik. Viele der betroffenen Alten Herren traten freiwillig aus, um der eigenen Verbindung nicht zu schaden. Aber die Convente akzeptierten das oft nicht, so dass ihnen nur noch die freiwillige Einstellung des Aktivenbetriebes (Suspension) \u00fcbrig blieb.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Hier zeigte sich das Konfliktpotential zwischen traditionellen Verbindungsidealen und der nationalsozialistischen Ideologie. Es gab eine Reihe von theoretischen Konfliktpunkten:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Demokratieprinzip: Trotz der seit 1871 allgemein konservativen Ausrichtung verankerten die Convente die demokratische Unabh\u00e4ngigkeit ihrer Entscheidungen in den Verbindungen. Das widersprach dem F\u00fchrerprinzip, das die Nationalsozialisten nun durchsetzten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">&#8211; Lebensbundprinzip: Obwohl die meisten Verbindungen schon seit 1880 keine Juden mehr als Neumitglieder aufgenommen hatten, blieben ihnen viele &#8222;Alte Herren&#8220; j\u00fcdischer Herkunft verbunden. Das kollidierte nun mit dem \u201eArierprinzip&#8220;, das die Nationalsozialisten auf alle Alten Herren ausdehnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">&#8211; Studentischer Ehrbegriff: Die uralte Tradition, da\u00df jeder Student die eigene W\u00fcrde zu wahren und die eines jeden anderen zu achten habe, widersprach der nationalsozialistischen Auffassung. Der individuelle Ehrbegriff wurde nun ganz der \u201eTreue zum deutschen Volk&#8220; untergeordnet: Ehrenhaft war, was der Volksgemeinschaft n\u00fctzte, und was das war, bestimmte allein die NSDAP. Aus der Verpflichtung zur individuellen Gewissensentscheidung wurde der Kadavergehorsam.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">&#8211; Couleur und Brauchtum: Als autonome Zusammenschl\u00fcsse hatten die Verbindungen im Laufe der Jahrhunderte eine gro\u00dfe Vielfalt an kulturellen Ausdrucksformen gepflegt und weiterentwickelt. Sie dienten urspr\u00fcnglich der Differenzierung der einzelnen Verbindungen untereinander und sp\u00e4ter wohl auch der elit\u00e4ren Abgrenzung des Akademikernachwuchses vom Rest des Volkes. Das lehnten die Nationalsozialisten ab. Sie verlangten stattdessen die v\u00f6llige Eingliederung in die klassenlose Volksgemeinschaft. Studenten hatten m\u00f6glichst Kameradschaftsuniform zu tragen. Das Ideal war der einheitliche \u201eVolksgenosse&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">&#8211; Lebensfreude: Das Ausleben jugendlicher Lebensfreude in traditionellen au\u00dferuniversit\u00e4ren Freizeitaktivit\u00e4ten widersprach nun ebenfalls der Verpflichtung gegen\u00fcber der \u201eVolksgemeinschaft&#8220;. Die Nationalsozialisten f\u00fcllten die Freizeit der Studenten mit Wehrsport und ideologischer Schulung aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Um den Konflikt zwischen dem Interesse an den Studenten und der Ablehnung ihrer Werte zu \u00fcberbr\u00fccken, verfolgten die Nazis eine Strategie von \u201eZuckerbrot und Peitsche&#8220;: Botm\u00e4\u00dfigkeit wurde belohnt, Verz\u00f6gerungstaktik bestraft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Verbindungen reagierten darauf unterschiedlich. Einige Dachverb\u00e4nde sahen ihre Aufgabe mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten als erf\u00fcllt an und l\u00f6sten sich auf, sei es freiwillig oder wegen des Drucks der Regierung. Andere versuchten, zu &#8222;\u00fcberwintern&#8220; und passten sich \u00e4u\u00dferlich an. Sie wollten sich nicht aufl\u00f6sen, sondern ihre Werte und Traditionen f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen bewahren. Sie hofften, dass Hitlers Herrschaft nur kurzlebig sei und gingen daher viele Kompromisse ein. Einige wenige verteidigten ihre Binnenstrukturen offensiv.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Konflikte wurden auch auf der Stra\u00dfe ausgetragen. Es kam immer h\u00e4ufiger zu Rempeleien und Pr\u00fcgeleien zwischen Verbindungsstudenten und nationalsozialistischen Kameradschaftsangeh\u00f6rigen. Besonders heftig waren die so genannten G\u00f6ttinger Krawalle, bei denen im Juli 1934 an zwei Tagen regelrechte Stra\u00dfenschlachten zwischen Anh\u00e4ngern der Nationalsozialisten und Verbindungsstudenten stattfanden. Am Ende ging die Polizei mit gezogenen S\u00e4beln und Gummikn\u00fcppeln, aber auch die Feuerwehr mit Wasserwerfern gegen die Verbindungsstudenten vor, von denen einige verhaftet wurden. Den H\u00f6hepunkt bildeten die Ereignisse um das Heidelberger Spargelessen, bei dem im Mai 1935 einige Corpsstudenten \u00f6ffentlich ihr Mi\u00dffallen \u00fcber Adolf Hitler zum Ausdruck brachten.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Nationalsozialisten nutzten diese Vorf\u00e4lle mit Hilfe der gleichgeschalteten Presse sofort aus, um publizistisch Druck f\u00fcr die Gleichschaltung auch der Studentenverbindungen zu machen. Zwischen 1934 und 1936 hatten sich die Studentenverbindungen entweder selbst aufgel\u00f6st oder waren zwangsaufgel\u00f6st worden. Die Altherrenverb\u00e4nde existierten noch bis etwa 1938.Da die Nationalsozialisten die Alten Herren zur Finanzierung der Kameradschaften brauchten, tarnten sich viele Verbindungen als Kameradschaften, um so trotz strengen Verbots m\u00f6glichst viele alte Werte und Sitten heimlich weiter zu vermitteln. Danach waren praktisch alle Studenten Mitglieder in den nun zahlreich gegr\u00fcndeten Kameradschaften. Diese \u00fcbernahmen nun auch die H\u00e4user der Studentenverbindungen. Im Krieg lie\u00df seit etwa 1941 die \u00dcberwachung der Universit\u00e4ten nach. Dort studierten fast nur noch verwundete Kriegsheimkehrer. So konnten sich lokal einige Verbindungen heimlich neugr\u00fcnden, Veranstaltungen in Couleur abhalten und sogar Mensuren fechten. 1944 planten K\u00f6sener Corpsstudenten aus Leipzig, W\u00fcrzburg, T\u00fcbingen und Bonn sogar, ihren Dachverband wieder zu gr\u00fcnden und feierten in Couleur eine Kneipe auf der Rudelsburg, dem traditionellen Treffpunkt des Verbandes. Doch der dazu n\u00f6tige Schriftverkehr fiel auf. Die Gestapo strengte ein Ermittlungsverfahren wegen \u201eGr\u00fcndung neuer Parteien und Hochverrat&#8220; an. Die Ermittlungsakten wurden jedoch bei einem alliierten Bombenangriff in Berlin im Fr\u00fchjahr 1945 vernichtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Eine Reihe von Verbindungsstudenten machten Karriere in Hitlers Partei und Staat. Andere beteiligten sich an Widerstandsversuchen. Sie geh\u00f6rten zum inneren F\u00fchrungskreis der Attent\u00e4ter des 20. Juli 1944, zum Kreisauer Kreis, zur Bekennenden Kirche oder starben als Einzelk\u00e4mpfer in Gestapohaft. Obwohl genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind, ist davon auszugehen, da\u00df einige zehntausend Verbindungsstudenten im Krieg fielen oder an Kriegsfolgen starben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.9. Nachkriegszeit<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Nach 1945 verboten die alliierten Milit\u00e4rregierungen einen Gro\u00dfteil der deutschen Vereinigungen, so auch die Studentenverbindungen. F\u00fcr Studentenverbindungen wurde dieses generelle Verbot 1950 aufgehoben. Ab etwa 1947 versuchten sich einige Studentenverbindungen in Westdeutschland und \u00d6sterreich wiederzugr\u00fcnden. Bis 1950 war die Wiederbelebung des Korporationswesens sehr weit fortgeschritten. 1949 erkl\u00e4rte die Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK) in ihrem T\u00fcbinger Beschlu\u00df: &#8222;Im Bilde der kommenden studentischen Gemeinschaft wird kein Platz mehr sein f\u00fcr Veranstaltungen von Mensuren, die Behauptung eines besonderen Ehrbegriffs, die Abhaltung geistloser und l\u00e4rmender Massengelage, die Aus\u00fcbung einer unfreiheitlichen Vereinsdisziplin und das \u00f6ffentliche Tragen von Farben.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Viele Universit\u00e4ten \u00e4nderten ihre Hochschulordnungen entsprechend der Forderungen der WRK. Das Verbot von Korporationen durch Universit\u00e4ten wurde einige Jahre sp\u00e4ter vor Gericht f\u00fcr unrechtm\u00e4\u00dfig erkl\u00e4rt. Jedoch versuchten einige Universit\u00e4ten Verbindungen (besonders schlagende) fernzuhalten, indem sie sie nicht als Vereine an der jeweiligen Uni registrierten. An der TU Berlin beispielsweise wurde Corps Lusatia als erste Verbindung mit Mensurpflicht erst 1963 anerkannt. Die gleiche Verbindung erzwang 1968 in einem Musterproze\u00df vor dem Verwaltungsgericht auch die offizielle Anerkennung von der FU Berlin. Verbote einiger Universit\u00e4ten, auf dem Universit\u00e4tsgel\u00e4nde Farben zu tragen, wurden von Gerichten seinerzeit best\u00e4tigt; allerdings haben sie heute keine Bedeutung mehr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u00a0Aufgrund der Schwierigkeiten und der ablehnenden Haltung von verschiedenen Seiten wurden die ersten Mensuren nach dem Zweiten Weltkrieg denn auch heimlich und mit ungekl\u00e4rter Rechtslage gefochten. Polizeiliche Verfolgungen fanden statt, Ausr\u00fcstung wurde beschlagnahmt. Im Jahre 1951 wurden die Studenten von Studnitz (Corps Bremensia G\u00f6ttingen) und Saalbach (Corps Hannovera G\u00f6ttingen) nach einem ausw\u00e4rts veranstalteten Pauktag in G\u00f6ttingen &#8222;abgefa\u00dft&#8220;. Daraufhin fand vor der Gro\u00dfen Strafkammer in G\u00f6ttingen ein Proze\u00df statt. Das Urteil vom 19. Dezember 1951 lautete auf Freispruch, da eine Mensur kein Duell mit t\u00f6dlichen Waffen sei. K\u00f6rperverletzung mit Einwilligung sei nicht strafbar (\u00a7 226 a StGB) und auch nicht sittenwidrig. Nach einer &#8222;Sprungrevision&#8220; der Staatsanwaltschaft best\u00e4tigte der Bundesgerichtshof das Urteil am 29. Januar 1953 (BGHSt 4\/24) (Siehe auch: G\u00f6ttinger Mensurenprozess). Voraussetzung f\u00fcr die Straffreiheit war jedoch, da\u00df die Mensur nicht zum Austragen von Ehrenh\u00e4ndeln diente und da\u00df die verwendeten Schutzwaffen sicherstellten, da\u00df t\u00f6dliche Verletzungen ausgeschlossen seien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Disziplinar-Dreierausschu\u00df der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen verh\u00e4ngte am 29. Januar 1952 gegen von Studnitz und sieben Mitglieder einer studentischen Landsmannschaft die Strafe der Nichtanrechnung eines Semesters wegen Mensurenschlagens. Das Verwaltungsgericht Hannover, Kammern Hildesheim, hob die Entscheidung wieder auf (Urteil vom 25. M\u00e4rz 1954, DVBl 54\/680; NJW 54\/1384). Dem Weinheimer Corpsstudenten Janssen wollte die Freie Universit\u00e4t Berlin die Immatrikulation verweigern, weil er sich zum Mensurenschlagen bekannt hatte. Diese Entscheidung wurde am 24. Oktober 1958 vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben (BVerwGE 7\/287, mit Bezug auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 29. Januar 1953).<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der Verzicht auf die Austragung von Ehrenh\u00e4ndeln mit der Waffe wurde dann auch gegen\u00fcber dem damaligen deutschen Bundespr\u00e4sidenten Theodor Heuss bei einem pers\u00f6nlichen Treffen am 8. April 1953 von den Delegationen aller ma\u00dfgeblichen mensurschlagenden Verb\u00e4nde (K\u00f6sener Senioren-Convents-Verband, Weinheimer Senioren-Convent, Deutsche Burschenschaft und Coburger Convent) best\u00e4tigt. Damit geh\u00f6rte das studentische Duellwesen endg\u00fcltig der Vergangenheit an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die volle Anerkennung der Verbindungen durch die Regierung fand 1961 ihren Abschlu\u00df, als die Korporationsverb\u00e4nde in die F\u00f6rderung des Bundesjugendplanes aufgenommen wurden. die Verbindungen an Hochschulen der DDR, aus K\u00f6nigsberg, Danzig, Breslau, Prag und Br\u00fcnn hatten mittlerweile auch ihren Standort nach Westdeutschland oder \u00d6sterreich verlegt . Dabei hatten viele mit befreundeten Verbindungen fusioniert, um ihre Ressourcen f\u00fcr den Wiederaufbau zu konzentrieren. Die baltischen Verbindungen, die in Riga und Dorpat, aber auch in Moskau oder St. Petersburg eine eigene Kultur entwickelt hatten, gr\u00fcndeten nach dem Krieg zwei neue Corps in G\u00f6ttingen und Hamburg sowie eine nichtschlagende Verbindung in M\u00fcnchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Nach und nach gaben viele Dachverb\u00e4nde auch Schuldeingest\u00e4ndnisse zu ihrem Verhalten im &#8222;Dritten Reich&#8220; ab: zun\u00e4chst christlich orientierte Verbindungen wie der Schwarzburgbund, die sich dabei an die Kirchen anlehnten. J\u00fcdische Studentenverbindungen haben sich bis heute nicht wieder gegr\u00fcndet. Ein ausgewanderter j\u00fcdischer Dachverband existiert aber immer noch in New York.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">In der DDR gab es einige wenige Studentenverbindungen, die meisten waren jedoch aufgrund vermeintlicher \u201erevanchistischer&#8220;, \u201efaschistischer&#8220; und \u201epro-nationalsozialistischer&#8220; Bet\u00e4tigung verboten. Dieses Verbot von Studentenverbindungen hatten zun\u00e4chst ab 1945 alle vier Besatzungsm\u00e4chte in Ost- und Westdeutschland eingef\u00fchrt. Sp\u00e4ter wurde dieses Verbot auch von der DDR-Gesetzgebung fortgef\u00fchrt, w\u00e4hrend die meisten Verbindungen in der Westdeutschland nach 1949 schnell wieder legalisiert wurden. Einige unverd\u00e4chtige Verbindungen wurden auch in der DDR wieder erlaubt. Sie gr\u00fcndeten sich meist unter dem Deckmantel historischer oder Fechtvereine und unter strenger Beobachtung durch das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit. Als \u00e4lteste bekannte Verbindung in der DDR gilt die S\u00e4ngerschaft Concordia, die am 9. November 1982 in Greifswald gegr\u00fcndet wurde. Die Farben wurden aus einem bekannten Studentenlied \u201e&#8230;denn wir tragen blau-braun-gr\u00fcn&#8230;&#8220; \u00fcbernommen. Sie existiert heute wie auch deren befreundete Montania Freiberg nur noch als Philisterschaft. Montania Freiberg wurde am 8. April 1987 gegr\u00fcndet. Aus den sich nach und nach entwickelnden Verbindungen ergaben sich immer mehr Kontakte untereinander. Am 29. Mai 1986 gab es ein erstes offizielles Zusammentreffen von Vertretern verschiedener Verbindungen aus Dresden, Erfurt, Halle (Saale), Jena, Leipzig und Magdeburg in Schmiedeberg im Gasthaus &#8222;zur Schmiede&#8220;. Am 20. Juni 1987 richtete die Salana Jenensis einen ersten Allianzkommers auf der Rudelsburg aus. Im Januar 1988 gab es den staatlichen Segen, um die ganze Angelegenheit, die bis dahin im Untergrund lief, besser kontrollieren zu k\u00f6nnen, mit der Gr\u00fcndung des Kulturbund-Freundeskreises &#8222;Studentische Kulturgeschichte&#8220;, der bis Mai 1989 bestand. In diesem Zeitraum wurden auch zwei Schallplatten mit Studentenliedern produziert! Die Entwicklung endete am 10. Februar 1990 mit der Gr\u00fcndung der Rudelsburger Allianz (RA). Diese ist ein Freundschaftsbund. Mitglieder der RA k\u00f6nnen solche Verbindungen werden, die vor dem 9. November 1989 eine Tradition in der DDR besitzen. Den Mitgliedern der RA steht es frei, sich anderen Dachverb\u00e4nden anzuschlie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.10.\u00a0 Die Studentenbewegung<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der anhaltende wirtschaftliche Nachkriegsaufschwung und sp\u00e4tere Bildungsreformen gew\u00e4hrten ab 1960 allm\u00e4hlich mehr Kindern aus weniger privilegierten Schichten Zugang zu h\u00f6herer Bildung. Ab 1970 wurden neue Universit\u00e4ten und Gesamthochschulen gegr\u00fcndet, u.a. in Bochum, Salzburg und Linz in \u00d6sterreich. Hier fanden neue Verbindungsangebote an interessierte Studenten ein fruchtbares, zum Teil aber auch ablehnendes Feld. Denn mit der seit 1965 aufkommenden Studentenbewegung erwuchs den Verbindungen starke Konkurrenz. Diese war ein Teil des internationalen reformerischen Aufbruchs, der besonders 1968 von Berkeley (USA) \u00fcber Paris, Berlin bis Prag reichte. Die deutsche &#8222;68-er&#8220;-Generation rebellierte gegen das Totschweigen der Verbrechen des &#8222;Dritten Reiches&#8220; durch die Elterngeneration und deckte die unaufgearbeiteten Verstrickungen erheblicher Teile der deutschen Wissenschaft in der Hitlerzeit auf. Der die Diskussion bestimmende Teil der damals Studierenden sah die gr\u00fcndliche Aufarbeitung und Abkehr von kompromittierten Traditionen, die das Dritte Reich vorbereitet hatten, als Voraussetzung f\u00fcr jeden weiteren wissenschaftlichen und sozialen Fortschritt an.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Der gesellschaftliche Umbruch reichte \u00fcber die Universit\u00e4ten hinaus: In der Bundesrepublik Deutschland begann die neu gebildete Sozialliberale Koalition eine Auss\u00f6hnungspolitik mit dem Osten und schuf damit wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr die heutige deutsche Einheit. Die sexuelle Revolution, Dritte-Welt-Solidarit\u00e4t, \u00d6kologiebewegung, Hausbesetzer-Bewegung, aber auch der RAF-Terrorismus waren nur einige Aspekte, die die tiefgreifende Ver\u00e4nderung des gesellschaftlichen Klima zeigten. Daran hatten die konservativen deutschen Studentenverbindungen kaum Anteil. Das Vertreiben des &#8222;Muffs von 1000 Jahren unter den Talaren&#8220; betraf auch ihre Sitten und Gebr\u00e4uche. Das empfanden viele als Angriff auf alle bestehenden Gesellschaftsstrukturen, gegen den sie ihre Traditionen umso mehr verteidigten. Aus diesem Beharrungsverm\u00f6gen r\u00fchrt ein Teil der heutigen Vorbehalte gegen studentische Verbindungen. Dabei geht es weniger um deren gemeinschaftsstiftende Elemente als um das Festhalten von als \u00fcberholt empfundenen Formen, Ideen und damit einhergehenden politischen Positionen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Studentenbewegung hat die universit\u00e4re Landschaft nachhaltig beeinflu\u00dft: Eine erweiterte Mitbestimmung &#8211; Drittel- und Viertelparit\u00e4t &#8211; in den Universit\u00e4tsgremien der akademischen Selbstverwaltung er\u00f6ffnete den Studenten eine F\u00fclle an neuen politischen Wirkungsm\u00f6glichkeiten. Es existiert heute an den Universit\u00e4ten eine pluralistische Vielfalt von Vereinigungen. Darunter sind studentische Selbstverwaltungsorgane wie AStA-Referate f\u00fcr hochschul- und gesellschaftspolitische Fragen (z.B. Schwulenreferate, Ausl\u00e4nder -referate), politische Fachbereichsinitiativen, Freizeiteinrichtungen, z.B. Studentencaf\u00e9s, Entrepreneur-Vereine und Ausgr\u00fcndungsinitiativen zur Karriere-F\u00f6rderung. Studentische Dachverb\u00e4nde wie die fzs verstehen sich bewu\u00dft als Gegengewicht zu herk\u00f6mmlichen Verbindungen, lehnen diese ab und bek\u00e4mpfen sie offen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Die Verbindungen mu\u00dften infolge dieser neuen Tatsachen zun\u00e4chst einen relativ starken R\u00fcckgang des Anteils an Korporierten und der absoluten Mitgliedszahlen hinnehmen. Viele Verbindungen mu\u00dften sich vertagen. Einige, die bisher nur M\u00e4nner aufnahmen, versuchten sich durch die Aufnahme von Studentinnen zu stabilisieren. Das gelang in einigen F\u00e4llen, in den meisten jedoch nicht. Die r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung kam erst ab 1980 zum Stillstand. Seit etwa 1985 ist wieder eine Zunahme an neuen Mitgliedern zu beobachten. Viele Verbindungen, die seit 1970 vertagt wurden, haben ihren Aktivenbetrieb wieder aufgenommen. Dabei steht meist die Traditionspflege im Vordergrund: Eine deutlich ver\u00e4nderte inhaltliche Ausrichtung ist eher selten zu beobachten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.11. Die deutsche Einheit<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Nach der Wende von 1989 wurde es auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wieder m\u00f6glich, die Studentenverbindungen an den Universit\u00e4ten neu zu beleben. Viele Verbindungen verlegten ihren Sitz aus dem Westen erneut an alte Heimatuniversit\u00e4ten wie Jena, Leipzig, Halle, Rostock, Greifswald, Dresden, Freiberg und Tharandt. Es kam dabei zu Wiedergr\u00fcndungen und einigen Neugr\u00fcndungen. Teilweise wurden neue Universit\u00e4tsst\u00e4dte wie Potsdam und Frankfurt\/Oder f\u00fcr Verbindungen erschlossen. Studentenverbindungen im Gebiet der neuen Bundesl\u00e4nder haben damit zu k\u00e4mpfen, da\u00df ihre Tradition seit 1933, also seit \u00fcber 70 Jahren, von den jeweils herrschenden politischen Systemen negativ belegt wurde. Auch fehlen die f\u00fcr das Verbindungsleben wichtigen Alten Herren im Umfeld einer Universit\u00e4tsstadt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">2.12. Europ\u00e4isierung und Globalisierung<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Mittlerweile gibt es auch Bestrebungen auf europ\u00e4ischer Ebene mit Studentenverbindungen in anderen L\u00e4ndern zusammen zu arbeiten. Ein Beispiel hierf\u00fcr die der Europ\u00e4ische Kartellverband, ein im Jahre 1975 gegr\u00fcndeter Zusammenschlu\u00df von katholischen Studentenverbindungen und -vereinen. Einen anderer Ansatz wurde mit dem im November 2002 in W\u00fcrzburg abgehaltenen ersten Weltkorporationstag verfolgt. Es handelte sich dabei um ein Treffen von Studentenverbindungen aus aller Welt, der mit einer gemeinsamen Entschlie\u00dfung endete.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Seit der Unabh\u00e4ngigkeit der baltischen Staaten hat sich auch eine rege Zusammenarbeit zwischen den deutsch-baltischen Verbindungen in Deutschland und den nach deutschem Vorbild gegr\u00fcndeten estnischen und lettischen Verbindungen in Dorpat, Riga und Reval ergeben. Gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen haben das Ziel, die Integration des Baltikums in die Europ\u00e4ische Union zu f\u00f6rdern.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Auch die Tradition der Mensur findet Anklang bei Studentenverbindungen au\u00dferhalb des deutschsprachigen Raumes. So bem\u00fcht sich zurzeit eine fl\u00e4mische Studentenverbindung aus L\u00f6wen um die Aufnahme in den Pflichtschlagenden K\u00f6sener Senioren-Convents-Verband (KSCV) und schl\u00e4gt zu diesen Zweck Mensuren an verschiedenen Hochschulorten Deutschlands.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Obwohl heute noch einige Verbindungen (vorwiegend in der Deutschen Burschenschaft) aufgrund ihrer &#8222;Verbundenheit mit dem deutschen Volk&#8220; nur ethnische Deutsche als Mitglieder aufnehmen, hatten die meisten Verbindungen &#8211; teilweise schon seit dem 19. Jahrhundert &#8211; ganz selbstverst\u00e4ndlich auch ausl\u00e4ndische Mitglieder. Aufgrund der Globalisierung nimmt der Trend nat\u00fcrlich zu. Heute gibt es &#8222;deutsche&#8220; Verbindungsstudenten nicht nur aus fast allen L\u00e4ndern Europas und verschiedenen Teilen Amerikas, sondern auch aus Asien und Afrika.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><!--nextpage--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Literatur:<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Harm-Hinrich Brandt und Mathias Stickler: Der Burschen Herrlichkeit &#8211; Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens, Historia Academica Bd. 36, W\u00fcrzburg, 1998, ISBN 3-930877-30-9<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Stefan Br\u00fcdermann, Ulrich Joost (Hrsg.): Der G\u00f6ttinger Studentenauszug 1790. Handwerkerehre und akademische Freiheit, Wallstein, G\u00f6ttingen, 1991, ISBN 3-89244-020-4<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Michael Doeberl, Otto Scheel, Wilhelm Schlink, Hans Sperl, Eduard Spanger, Hans Bitter, Paul Frank, (Hrsg.): Das akademische Deutschland, 4 B\u00e4nde und ein Registerband, dieser bearbeitet von Alfred Bienengr\u00e4ber, Berlin, 1930-1931.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Oskar Dolch: Geschichte des Deutschen Studententums &#8211; von der Gr\u00fcndung der deutschen Universit\u00e4ten bis zu den deutschen Freiheitskriegen, Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe Brockhaus Leipzig, 1858 erschienen im Verlag f\u00fcr Sammler, Graz 1968.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Fritz Elsas: Ein Demokrat im Widerstand. Zeugnisse eines Liberalen in der Weimarer Republik, Hrsg. von Manfred Schmid, Bleicher Verlag, 1999, ISBN 3-88350-664-8<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Paulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur &#8211; Die studentischen Verbindungen einst und jetzt, M\u00fcnchen, Callwey, 1988, ISBN 3-7667-0912-7<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Friedhelm Gol\u00fccke et al. i. A. der Gemeinschaft f\u00fcr deutsche Studentengeschichte e.V.: Auf Deutschlands hohen Schulen, Fotomechanischer Nachdruck der Ausgabe Berlin 1900, SH-Verlag, K\u00f6ln, 1997, ISBN 3-89498-042-7<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Friedhelm Gol\u00fccke, Verfasserlexikon zur Studenten- und Hochschulgeschichte (Ein bio-bibliographisches Verzeichnis), K\u00f6ln 2004, SH-Verlag, ISBN 3-89498-130-X<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Robert Paschke: Studentenhistorisches Lexikon, GDS-Archiv f\u00fcr Hochschulgeschichte und Studentengeschichte, Beiheft 9, K\u00f6ln, 1999, ISBN 3894980729<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Gerhard Richwien: Student sein, eine kleine Kulturgeschichte, Gemeinschaft f\u00fcr Deutsche Studentengeschichte (GDS), Kleine Schriften der GDS 15, SH-Verlag, K\u00f6ln, 1998, ISBN 3894980494<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Heinz-Joachim Toll: Akademische Gerichtsbarkeit und akademische Freiheit. Die sog. Demagogenverfolgung an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel nach den Karlsbader Beschl\u00fcssen von 1819, Karl Wachholtz Verlag Neum\u00fcnster, 1979, Reihe Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins Band 73, ISBN 3-529-02173-3<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Rolf-Joachim Baum (Hrsg.): Wir wollen M\u00e4nner, wir wollen Taten! &#8211; Deutsche Corpsstudenten 1848 bis heute, Siedler-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-88680-653-7<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Manfred Studier: Der Corpsstudent als Idealbild der Wilhelminischen \u00c4ra &#8211; Untersuchungen zum Zeitgeist 1888 bis 1914, Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen, Band 3, Schernfeld 1990, ISBN 3-923621-68-X<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Verein f\u00fcr Corpsstudentische Geschichtsforschung e.V. (Hrsg.): Einst und Jetzt, Jahrb\u00fccher des Vereins f\u00fcr Corpsstudentische Geschichtsforschung, ISSN 0420-8870<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Peter Krause: O alte Burschenherrlichkeit &#8211; Die Studenten und ihr Brauchtum, 5. bearb. Auflage, Graz, 1997, ISBN 3222124787<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\">Quelle des Originaltextes:\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_der_Studentenverbindungen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_der_Studentenverbindungen<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziele des MSC |Geschichte des MSC | Korporationen allgemein | Veranstaltungen | Der folgende Text gibt eine detaillierte \u00dcbersicht \u00fcber die historische Entwicklung des Verbindungswesens&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-79","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-das-cartell"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":744,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions\/744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seniorencartell.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}